PO3 Sel'ae - SEC - Log 1 - 2019.7



  • Hauptpersonen:
    Nebenpersonen: Hunter Phillips
    Wörter: 733

    Private Räumlichkeiten zweier Förderations-Bürokraten in San Francisco

    Persönliches Logbuch Petty Officer Sel'ae. Sternzeit 2019.7, 13 Uhr... 30 - San Francisco Ortszeit.

    Ich will an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der unbefugte Zugriff auf ein privates Log sowohl militärrechtlich unter den General Orders and Regulations der Sternenflotte, als auch strafrechtlich nach dem Uniform Code of Justice der Förderation unter schwerster Strafe steht.

    ...

    Seufzen.
    Ich hab's geschafft. Gestern bin ich entlassen worden. Zurück in den Dienst.

    Um das zu feiern und um mir selbst zu beweisen, dass es mir gut geht, bin ich direkt in eine Bar gegangen. Hatte nicht geplant auf so viel Sternenflottenpersonal zu treffen - aber was soll man in San Francisco anderes erwarten? Aus Gewohnheit hatte ich meine Haare über die Ohren gelegt, wie ich es früher immer getan hatte. Um sich lebendig zu fühlen - überhaupt etwas zu fühlen - waren die Ohren früher wie heute ein Hindernis. Insbesondere das, was andere in ihnen sahen. Aber in einem schicken Dress, mit Make-up und offenen Haaren - da erwartete niemand eine kalte Vulkanierin. Ich hätte wissen sollen, dass es eine Scheißidee war... dass ich nicht einfach dort anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe.

    Dabei hatte der Abend gut angefangen. Bin von jemandem angesprochen worden - älterer Mann. Nicht unansehnlich, aber... etwas alt eben. Vielleicht hat er erkannt, dass ich eine Vulkanierin bin und dachte, ich wäre in seinem Alter? Ich war ein wenig skeptisch, aber es wurde ein sehr nettes Gespräch. Er flirtete, ich ging darauf ein: Der Tanz hatte begonnen und ich brauchte das gerade. Sehr sogar. Einfach an was anderes denken - an nichts denken - und geschehen lassen, was eben geschehen würde. Hatte schon früher gut geklappt, die eigenen Probleme in den Armen anderer zu verlieren.

    Doch plötzlich war er weg. Hatte noch irgendeine fadenscheinige Ausrede parat und mich dann sitzen lassen. Alleine... unvorbereitet... und plötzlich waren sie wieder da... die Einsamkeit, die Stille, die Dunkelheit... die Gedanken, die Erinnerungen. Ich bin aus der Bar geflohen, so schnell ich konnte. Gegen die irrationale Panik, die in mir aufkam, konnte ich nichts tun - so sehr ich es auch wollte. Aber die Panik davor, dass mich jemand in diesem Moment sehen würde - dagegen konnte ich etwas tun. Ich ging durch möglichst dunkle, abgelegene Gassen zurück zum Haus meiner Eltern, um jederzeit ohne Zeugen in einer Ecke zusammenbrechen zu können.

    Ich brach erst zusammen, als ich die Tür zu meinem Zimmer hinter mir geschlossen hatte. Gut, dass meine Eltern kaum anderes taten, als schlafen und arbeiten. Sie merkten es nicht. Nur der elende Hund kratzte an der Tür und winselte, während ich mir lautlos die Seele aus dem Leib heulte. Ich sah Wyls entsetztes Gesicht wieder vor mir, wie es leer in den Nachthimmel starrte. Hörte das Lachen, sah die Blitze aus der Dunkelheit. Ich hätte das Licht anschalten sollen, aber... ich konnte mich nicht bewegen... durfte mich nicht bewegen... musste ihn anstarren. Kein Mucks, keine Träne... sonst würden sie sehen, dass ich noch lebe.

    ...

    Ich muss irgendwann eingeschlafen sein. Auf dem Boden, direkt hinter der Tür. Ich wünschte ich könnte Meditieren, aber das habe ich zuvor schon nicht gekonnt. Jetzt erst recht nicht mehr. Es gibt zu viel Raum zum Erinnern. Darum rede ich lieber... mit einem Computer... für ein Log, von dem ich nicht will, dass es jemals jemand hört. Aber zumindest fühle ich mich dann nicht allein und kann mich nicht hineinsteigern. Ich habe in letzter Zeit viel mit mir selbst geredet, genau deswegen. Leise, versteht sich - oder auch nur innerlich - damit die Ärzt'innen es nicht hören. Sie müssen von all dem nichts wissen. Sie würden mich nur ungläubig anstarren - die Vulkanierin, die ihre Emotionen nicht kontrollieren kann: Ein Ausstellungsstück fürs Museum. Das wäre das Ende meiner Karriere. Nicht, dass ich an ihr hängen würde, aber... ich schulde meinen Kameraden, dass ich meine Fehler wieder gut mache. Und ich würde meinen Eltern niemals die Genugtuung geben, aus der Sternenflotte auszutreten. Niemals.

    Apropos Eltern. Im Moment bin bei ihnen untergekommen. Gut, dass sie ständig arbeiten - wie immer - sonst würden sie vielleicht etwas merken. Aber ich verstehe nicht, wie sie sich einen Hund zulegen konnten. Schön und gut, dass sie sich für menschliche Kultur interessieren, aber das?! Als hätte ich gerade nicht genug Probleme, muss ich nun noch diesen Gestank aushalten! Sie wissen doch, dass ich seit der Schwangerschaft - ...

    ...

    Egal.

    Ich muss hier weg. Ich hoffe ich bekomme bald meine neuen Befehle.


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