PO3 Sel'ae - SEC - Log 2 - 2019.7



  • Hauptpersonen: Hunter Phillips, Garret O'Neal
    Nebenpersonen: SEC
    Wörter: 945

    Private Räumlichkeiten zweier Förderations-Bürokraten in San Francisco

    Persönliches Logbuch Petty Officer Sel'ae. Sternzeit 2019.7, Nachmittag, irgendwann - ich... ich bin gerade erst nach Hause gekommen.

    Ich verstehe noch immer nicht ganz, was überhaupt passiert ist... es war so viel und...

    (Deutlich hörbares Durchatmen.)

    ... und dafür muss ich heute schon wieder dieses Log füllen. Um es irgendwie zusammen zu bekommen. Und es zu verstehen.

    Der Tag hatte damit begonnen, dass ich für eine allgemeine Security-Trainingseinheit abberufen wurde. Lokale Security - vermutlich nur ein bisschen Kraft-, Ausdauertraining und Sparring. Vielleicht war das der Ausblick auf meine zukünftige Position? Sicherheit auf der Erde? Ich hätte es nie von mir erwartet, aber... in meinem aktuellen Zustand war ich gegenüber dem Gedanken erstaunlich aufgeschlossen. Ich wollte nicht, dass man mich für den... emotionalen Nachhall... meiner Erlebnisse stigmatisierte. Aber ein wenig die ruhige Kugel schieben, um endgültig über die Sache hinweg zu kommen - warum nicht?

    Technisch gesehen war ich noch im Krankenstand - man hatte mir gesagt, ich solle mich erst einmal etwas erholen und dann würde man mich einer finalen Beurteilung unterziehen. Ich hätte sicherlich protestieren können, aber... ich war unendlich froh, endlich wieder aus diesem Haus zu kommen. Endlich wieder etwas Sinnvolles tun zu können. Ich hatte mich also sofort auf den Weg gemacht - und einen großen Bogen um den Teppich gezogen, auf den der Hund meiner Eltern vor zwei Tagen gemacht hatte. Immerhin roch ich es inzwischen nicht mehr in meinem Zimmer.

    Trainingsparcours in der Sternenflotten-Akademie

    Aber als wäre ich verflucht - natürlich war die Trainingseinheit mit einer Horde verschwitzter Menschen... und schlimmer noch: Ein Klingone. Ich war schon beim Aufwärmen kurz vorm Erbrechen und positionierte mich bewusst so, dass ich beim folgenden Sparring eine der weniger verschwitzten Crewwomen als Partnerin hatte. Ich injizierte mir in jeder Pause eine weitere Dosis Geruchsblocker, doch wie immer seit... (Seufzen) ... wie immer verflog die Wirkung größtenteils innerhalb weniger Minuten. Es war... erträglich.

    Ich hatte es ja seit Jahren ertragen - über meine gesamte Security-Ausbildung hinweg... und den Einsatz. (Kurze Pause.) Die Zeit in der angenehm sterilen Therapie-Station hat mich diesbezüglich wohl verwöhnt. So oder so. Es war ein gutes Training. Ich merkte, dass ich etwas außer Übung war, aber auch wie diese Übung bereits wieder zurückkehrte. Ich war voll in meinem Element, glücklich - vielleicht hatte ich sogar gelächelt - bis man uns die Phaser in die Hand drückte: Kampfsimulation.

    Ich konnte die Waffe gerade so an mich nehmen und festhalten, während sich all mein Inneres verkrampfte. Ich fokussierte mich auf meinen Atem. Ein, aus. Ein, aus. Ich tat währenddessen, als würde ich auf dem Display die Einstellungen kontrollieren, indem ich im Rhythmus meines Atems zufällige Knöpfe drückte. Ich konnte sowieso nicht sehen, was sich auf dem Display abspielte. Ich hatte genug damit zu tun, das Blut an meinen Händen zu ignorieren. Aber... es hatte geklappt. Es hatte sich ewig angefühlt, aber ich glaube die ganze Sache hatte vielleicht eine halbe Minute gedauert, bis meine Muskeln wieder meinen Befehlen gehorchten, bis die Panik abflaute und nur mehr mein schnell pochender Herzschlag blieb.

    Ich war hin und her gerissen, ob ich erleichtert oder beängstigt sein sollte. Ich entschied mich, beides zu sein. Erleichtert darüber, dass ich die Kontrolle behalten hatte - mehr oder weniger. Beängstigt, weil es jemand hätte mitbekommen können. Umso mehr gab ich mir daraufhin Mühe, eine wenn schon nicht gelassene, dann doch wenigstens möglichst steinerne Miene zu geben. Über den Dingen zu stehen - wie... wie eine Vulkanierin. Es klappte - glaube ich. Ich kam wieder in meine Routine. Schoss auf die leuchtenden Holo-Zielscheiben, die zwischen dem Hindernisparcour aufblitzten. Folgte den zackigen Befehlen meines Feuerteam-Leaders. Das Training kam zurück - die Normalität. Die Holo-Targets hatten keinen Löffel auf der Stirn, keine todesgraue Haut, kein hämisches Lachen.

    Bis... ich weiß nicht, was geschehen war. Ob es Teil der Übung war oder eine Fehlfunktion. Das Licht war ausgefallen - nur für wenige Sekunden - und ich... ich... (Zitterndes Ausatmen.) ... ich lag am Boden. Irgendwo in eine Ecke gekauert. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich mich dort hin geworfen hatte. Nur an den dumpfen Schlag hinter mir. Obwohl er viel lauter gewesen war, erinnerte er mich an das Geräusch, das Wyls lebloser Körper gemacht hatte, als er zu Boden gefallen war. Es waren die elenden Blitze im Dunkeln, wegen denen ich daran dachte...

    Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass es unsere eigenen Waffen waren. Aber warum müssen Cardassianische Disruptoren unseren Phaser-Strahlen nur so ähnlich sein?! Ich... ich kauerte in meinem Eck... im Trainingsraum der Security der Sternenflotten-Akademie auf der Erde... und glaubte ernsthaft, wir würden von Cardassianern angegriffen werden. Wobei es nicht stimmt - ich war nicht dort... ich war wo anders.

    (Leise Trink-Geräusche.)

    Ich bin so unendlich froh, dass ich zumindest dieses Mal die Kontrolle über meine Blase nicht verloren habe. Angeblich passiert das vielen Leuten im Kampf. Aber es hat mir gegenüber noch nie jemand zugegeben. Gerade als die ersten Taschenlampen aktiviert wurden, ging auch das Licht im Raum wieder an. Im Augenwinkel sah ich den Klingonen, wie er mit wütendem Gebrüll gegen eine Kiste trat. Und plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich zuckte zusammen und hasste mich dafür, ich musste ausgesehen haben wie ein verängstigtes Rehkitz... große Augen, kauernd, erstarrt. Ich zwang meine Miene eilig zurück in den Versuch von Teilnahmslosigkeit, während ich noch immer die Panik in mir aufsteigen fühlte.

    Jetzt erkannte ich ihn auch. Es war der alte Typ aus der Bar. Ich hoffte, ich flehte innerlich, dass er mich nicht erkannt hatte. Ich hatte mir seitdem meine Haare kurz geschnitten, trug kein Make-up, geschweigedenn einen Dress. Es gab also Hoffnung...

    Oh, ich... ich muss das hier später fortführen. Meine Eltern sind wieder da.


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