CMD Delila Vatak - CO - Log 06 - 2019.8



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    Im Shuttle

    Persönliches Logbuch, Commander Vatak - Erstes Logbuch nach dem Abflug

    Aufgrund der ungenauen Bestimmung der Zeit, kann ich diese nicht angeben. Wir haben die erste Ruhephase erfolgreich hinter uns gebracht und waren auf Kurs. Die berechnete Zeit bis zur Sprengung des Containers sollte sich um die 72 Stunden bewegen, was sich aber durch die Bewegung nahe der Lichtgeschwindigkeit nicht mehr so genau sagen lässt. Die Blindheit aufgrund der Containerwände schien der Crew weniger auszumachen als mir, doch konnte ich auch nichts anderes tun als Warten bis wir das Lösen der Klammern mitbekommen würden.

    So verging noch etwas Zeit, bis die Alpha-Schicht aus den Betten kam und sich langsam bereit für den Dienst machte. Dabei fiel mir auf, wie die Sicherheit sich immer um MCPO Hunter scharte. Da ich keine Akteneinsicht bekommen hatte, konnte ich nur aufgrund der mir hier sichtbaren Dinge urteilen, doch schien er Erfahrung mit dem Führen einer Gruppe zu haben oder gar eine leitende Funktion inne haben. Ich nahm mir vor ihn als Leiter der Sicherheit einzuteilen, da er den Bereich ohnehin schon so gut wie kontrollierte und mit den einzelnen Leuten gut zurecht kam. Zudem, wie sehr er sich um einzelne Mitglieder annahm, die offenbar Schwierigkeiten hatten.

    Als der Dienst startete, imitierte ich ein Strecken und nahm mir meine Tasse. Eine vorbereitete Kanne meines Kaffee-Ersatzes vollendete das Ritual des Booten des Kreislaufes. Da ich mich immer noch auf der Brücke befand war es ein leichtes, den Dienst dort zu versehen und als Vorbild zu wirken. Nachdem die Schicht Charly eine Dienstübergabe gemacht hatte, war auch schon alles angetreten. Ein bisschen steif und unsicher, aber das war bekanntlich immer bei unbekannten Situationen der Fall. MCPO Hunter die Führung der Sicherheit zu übertragen war ein Einfaches und sofort erledigt. Die Verbrauchsberichte des Shuttles waren nicht sehr umfangreich, da wir nur mit den vorhandenen Energiespeichern arbeiten konnten und alle befanden sich innerhalb vorausberechneter Parameter. Damit war auch schon Schicht Charly versorgt und Beta in Bereitschaft.

    Bis auf Warten war im Moment nicht viel möglich - also war es nur zu verständlich dass die Techniker in einer Gruppe ihren Beitrag zur Mission ausloteten, während ein Security, der mir als Garret O'Neal in Erinnerung war Sparring vorschlug. Kampftraining als Fitness war durchaus eine Abwechslung, die man sich erlauben konnte. Die Begeisterung schien sich in der Crew jedoch in Grenzen zu halten, wenn ich die Körpersprache der einzelnen Leute richtig interpretierte. Ich war mir allerdings nicht sicher genug um eine eindeutige Antwort zu finden.

    Als ich mich langsam vom Platz erhob und den Vorschlag annahm, schienen viele Leute verwundert, aber ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen. Vielleicht konnte ich einige Leute dazu bewegen mitzumachen? Im Gemeinschaftsraum angekommen waren ein paar Kisten schnell zur Seite geräumt, was eine realistische Fläche zum Sparring ergab. Als ich Aufstellung nahm, schien der Mann etwas nachzudenken. Ich ließ ihm genug Zeit, bevor ich mit einer förmlichen Verneigung, wie es beim Sparring üblich war begann. Dann folgte der etwas schwierigere Teil, da ich den Petty Officer nicht richtig einschätzen konnte. Aufgrund des klingonischen Erbes, war er klar widerstandsfähiger als seine menschlichen Kollegen. Kräftemässig sah er durchtrainiert aus und man konnte einiges von ihm erwarten.

    Wollte ich seine Stärke testen ohne ihn zu sehr zu verletzen, war meine erste Strategie, mich auf das Ausweichen und leichte Würfe die erste Wahl. Sein erster Angriff schien sehr zaghaft ausgerichtet zu sein, da auch er mich nicht einzuschätzen vermochte. Meine eher zarte Erscheinung stand doch in einem leichten Gegensatz zu den Kräften die ich aufzubringen im Stande bin - also warf ich ihn zu Boden. Ein dumpfer Aufschlag und ich hatte offenbar die volle Aufmerksamkeit der im Raum anwesenden Leute. Ich half meinem Gegner wieder auf die Beine, während der Sicherheitschef offensichtlich amüsiert feststellte, dass der Mann 'mehr abkonnte' um seine Formulierung zu verwenden. Feuerte er mich an, härter zu handeln? Wenn ja, weshalb? Er schien offensichtlich seine Freude daran zu haben, wie wir beide trainierten. Ich wies meinen Gegner nochmals darauf hin, dass er mich nicht zu schonen habe. Wollte er weiter machen? Ich war mir nicht sicher. Die einfachste Methode um dies herauszufinden war einfach zu fragen.

    Er stimmte zu und nahm offenbar diesmal etwas besser vorbereitet seinen Platz ein und knackte mit den Sehnen. Ich riet ihm nochmals, sich zu konzentrieren. Dann ging es weiter. Er ging weitaus enthemmter los und ich wehrte seine ersten Schläge, welche mit 1397 Kg und 1237 Kg Schlagkraft ankamen mit Leichtigkeit ab. Das war gut die doppelte Stärke die man von einem Menschen zu erwarten hatte und zu wenig um echte Schäden an meiner strukturellen Integrität zu verursachen. Mr. O'Neil war offenbar ein Mischwesen aus Mensch und Klingone, weshalb er offenbar den Schmerz den ihm ein Kampf zufügt benötigte. Die Position seiner Mundwinkel und Gestik lies mich darauf schließen, dass er sich daran erfreute seine ihm auferlegten Hemmungen hier fallen lassen zu dürfen. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis der von einem Klingonen zu erwartende Kampfschrei durch das Shuttle hallte und noch mehr Leute in den Raum trieb um uns zuzusehen.

    Mein Kampfwissen war zugegebenermaßen nicht auf dem neuesten Stand, aber die Berechnungen der wahrscheinlichsten Angriffe von vor 9 Tagen, 7 Stunden und 42 Minuten hatten noch ihre Gültigkeit. Somit war meine berechnete Verteidigung aus den gängigen Methoden verschiedenster Kulturen sehr effektiv, was die Berechnungen bestätigte. Ich bevorzugte eine eher passive Haltung um die Verletzungsgefahr für meinen Gegner zu minimieren und limitierte meine Angriffe auf einen Einschlag von 1500 Kg. Genug um sie ordentlich wahrzunehmen, jedoch ohne Frakturen zu verursachen. Die Echos aus seinem Körper bestätigten die Berechnung. Die starken Knochen und Muskeln seines klingonischen Erbes hielten den Schlägen stand.

    Als es um die Ausdauer ging, habe ich den Mann glatt unterschätzt. Ich muss zugeben, seine Performance war ausgezeichnet, da er nach 72 Minuten und 55 Sekunden immer noch angriff und es weiters trotz zahlreicher Niederlagen, Blessuren mit daraus folgenden Hämatomen weiter versuchte. Als er dann nach weiteren 61 Minuten und 12 Sekunden mit einem Lächeln am Boden lag, stürzte eine Medizinerin zu ihm hin und wollte ihn Versorgen, doch war das offensichtlich nicht nötig. O'Neil rappelte sich auf und beendete förmlich das Sparring. Zugegeben, es war ein ungewohnter Anblick einen komplett verprügelten aber lachenden Mann vor sich zu haben, dessen Uniform nur noch aus Fetzen bestand.

    Hätte ich Emotionen war es vermutlich angebracht mich aus verschiedensten Gründen zu freuen. Doch ich begnügte mich damit, dem tapferen Helden auf die Schulter zu klopfen und ihn für seine herausragende Willenskraft zu loben und duschen zu schicken während ich meinen Platz auf der Brücke wieder einnahm und meinen inzwischen kalten Kaffee-Ersatz zu mir nahm. Auch wenn ich Emotionen nicht verstand, schien es äusserst irrational zu sein, dass Mr O'Neil nach dem Duschen seinen Dienst auf der Brücke wieder antrat. War es der klingonische Stolz? War es der menschliche Leichtsinn? Um meinem Unverständnis Ausdruck zu verleihen, entschied ich mich kurz den Kopf zu schütteln und einen Schluck aus meiner Tasse zu nehmen.

    Mr. Hunter war der Erste der mich nach dem Kampf ansprach. Er machte Andeutungen sich für das Verhalten seines Untergebenen zu entschuldigen, was ich noch weniger verstand. Hatte es Relevanz? Ich zog es vor mit den Schultern zu zucken und widmete mich dem Tagesgeschäft und meiner bevorstehenden Ruhephase in welcher ich mich in den Pilotensitz zurückzog und die Augen schloss. Der Rest der Crew hatte die Anweisung mich bei einem Vorfall zu wecken. Die Verbindung zu den internen Sensoren des Shuttles reichte vollständig aus um das Geschehen an Bord zu studieren und im Bedarfsfall einzugreifen. Doch so wie sich die Sache einstweilen verhielt war das nicht einmal nötig, da das Sparring scheinbar Gesprächsthema des Tages war.


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