CRM Misha Nikolaevich Koshkin - TEC - Log 03 - 2019.8



  • Hauptpersonen: Garret O'Neal, Hunter Phillips, Asu
    Nebenpersonen: Vatak, Shtaar
    Wörter: 1902

    Shuttle, getarnt am Frachter angedockt

    Nachdem ich so unendlich früh aufstehen musste, um überhaupt rechtzeitig zur Mission zu kommen, war's tatsächlich ganz nett sofort wieder in die Koje zu dürfen. Ich nahm freiwillig eines der Betten im Gemeinschaftsbereich. Ist nicht so, dass es mir nicht auch ein wenig unangenehm wäre so wenig Privatsphäre zu haben und beim Schlafen von so vielen Leuten beobachtet (und belauscht? Ich hoffe, ich schnarche nicht!) werden zu können, aber ich fand's auf der "Loveek" schon immer ziemlich traurig, wenn ich mal wieder irgendein spontanes soziales Ereignis nicht mitbekommen hatte, weil ich im Quartier von der Außenwelt abgeschnitten war. Immerhin würde ich nun also alles mitbekommen! Auch wenn das potenziell auf Kosten meines Schlafpensums geht. Gleich in der ersten Nacht - ich meine: Schicht - gab's ein bisschen Unruhe in der Nachbarkoje. Als ich rüber schaute, kam bereits O'Neal an und drückte dem älteren Kollegen, der sehr unruhig schlief, - ich glaube sein Name war... Hunt oder Hunter oder so - einen Teddybär in den Arm, den er wohl verloren hatte. Auf meinen Blick hin informierte er mich mit ernster Stimme und bedeutungsschwangerem Blick, dass Hunt/Hunter ihn wohl zum Schlafen brauchte. Neben mir kicherte irgendwer - fand' ich nicht ok. Warum sollte der Mann keinen Teddybären haben? Vor allem, wenn es ihm beim Schlafen hilft und den Andeutungen auch noch eine ernste Geschichte dahinter steckt, ist es ja wohl völlig unangebracht, sich darüber lustig zu machen. Würde wohl beizeiten ein ernstes Gespräch mit der Person führen müssen, die die andere Koje neben mir belegte. Wie auch immer... das war so ein Beispiel, das mich vom Schlafen abgehalten hatte.

    Aber gut. Kann ja während der Schicht und der Bereitschaft weiter ruhen, immerhin gibt's echt wenig zu tun. Gut, immerhin mehr als die Security Leute zu tun haben - dazu später mehr. Ich kann ja wenigstens die Luftfilter wechseln, das Wasser-Recycling-System warten, ... okay, das war's auch schon. Drum war mir heute im Dienst verdammt langweilig. Habe dann einfach Kaffee für die Brückencrew geholt - und kein Instant-Kaffee aus den Kampfrationen! Hab die Zeit vor Beginn des Replikator-Verbots gut genutzt - mein Seesack ist sicherlich doppelt so dick wie davor. Apropos... pff... Replikatorverbot, um die Energieabstrahlung gering zu halten. Wieder so eine restriktive und verallgemeinernde Sternenflotten-Denkweise. Man könnte fast meinen die wüssten nicht, wie ein Replikator funktioniert... so überlegt: Vermutlich wissen es die meisten nicht. Auf 'nem Frachter gibt's immer wieder mal die Notwendigkeit Energie zu sparen - kein Problem damit! Aber es gibt mehr als genug Rezepte die kaum Energieaufwand bedeuten. Ist ja nicht so, dass wir hier Nahrungsmittel aus reiner Energie herbeizaubern! Gespeicherte Materie wird modifiziert und neu zusammengesetzt. Wenn man aufpasst, welche Elemente man für das Gericht benötigt, kann man da trotz wenig Energieverbrauch noch immer sehr gut essen! Naja. Habe mir neben dem Kaffee noch eine Box voll Gewürze und ein paar andere Kleinigkeiten repliziert - damit lassen sich hoffentlich auch die Kampfrationen halbwegs schmackhaft machen.

    Wo war ich stehen geblieben? Ach genau. War auf der Brücke. Habe da meine Vorgesetzte - eine gewisse Lt. Asu - darauf angesprochen, ob es irgendetwas für mich zu tun gäbe. Pflichtbewusst hat sie erst einmal abgefragt, ob ich denn meine Pflichten bereits erledigt hätte und pflichtbewusst hatte ich geantwortet: Natürlich! Ich konnte einen kurzen Blick auf ihre Konsole erheischen und damit ein Gespräch über ihre aktuelle Arbeit initiieren, in der Hoffnung dort vielleicht beitragen zu können. Es ging darum zu erörtern, ob man die Energie-Signatur unseres Shuttles oder gar die der Antriebe maskieren könnte. War ein spannendes Gespräch, aber... schlussendlich auch nur theoretisch. Denn praktisch würden alle uns zu Verfügung stehenden Methoden in sich schon wieder ein zu großes Leuchtfeuer auf der einen oder anderen Sensorkonfiguration ergeben. Aber ich konnte das Gespräch sehr genießen - immerhin ging es um die Dinge, die ich liebe und auf diese Art und Weise konnte ich ein wenig mit Asu... also... Lt. Asu bonden. Es war spürbar, dass sie unter ihrer vulkanischen Art vergraben ebenfalls Freude an diesem Gesprächsthema fand. Bei Vulkaniern kann man die Unzufriedenheit üblicherweise gut an der Menge der herablassenden und abweisenden Formulierungen erkennen - an den vermeintlich unschuldigen, aber unendlich spitzen Fragen, ob dieser oder jener Umstand des Gesprächs in einem Aspekt der menschlichen Kultur begründet läge, den man noch nicht verstanden habe. Sie meinen das ja meistens nicht böse - glaube ich - aber sind damit ziemlich effektiv darin, ein in ihren Augen unnötiges - unlogisches - Gespräch abzuwürgen. Nicht so bei ihr - oder zumindest bei diesen Themen.

    Es war ein schönes Gespräch, das jäh von einem wilden Schrei unterbrochen wurde. Ein Kampf war ausgebrochen! Ich war schon drauf und dran mich zwischen die Streithähne zu werfen, aber... das war wohl nicht nötig. Beim zweiten Blick wurde deutlich, dass es ein Sparring-Match war... ein Sparring-Match, das allerdings weit über dem Niveau von Körper- und Gewalteinsatz lag, das ich den Sicherheitsvorschriften der Sternenflotte zutrauen würde. Ich beobachtete das Ganze misstrauisch. Es verstörte mich ein wenig, dass es die Commander war, die sich dem Klingonen gestellt hatte - auf verschiedenste Weisen. Irgendwie positiv, dass sie für so etwas bereit war... aber irgendwie auch... nun... sie machte ihren Gegenspieler - O'Neal, den klingonischen Security-Mann von heute Morgen - ganz schön fertig. Ich kenne mich ja überhaupt nicht aus, mit Nahkampftechniken und so weiter, aber... dafür musste man verdammt gut trainiert sein, insbesondere mit ihrer Statur. Ich bekam erneut ein sehr mulmiges Gefühl im Bezug auf diese Mission, erst das Phaser-Rifle, nun das...

    Aber anscheinend waren Asu und ich... ich meine: Lt. Asu - ach, ich lasse diese verdammten Titel jetzt einfach weg. Ist ja mein persönliches Logbuch. Also: Anscheinend waren Asu und ich die Einzigen, die bei der Sache skeptisch waren. Ein großer Teil der Crew hatte sich um den Kampf geschart und feuerte fröhlich die verschiedenen Seiten an. Irgendwie schön, dass die Crew auf diese Art zusammen kam... irgendwie schade, dass es zu einem solchen, ruppigen Anlass war. Ich hoffte das war kein Hinweis darauf, was uns Crew-intern an zwischenpersönlicher Interaktion bevorstehen würde. Und mit all diesen Zweifeln im Herzen fühlte ich mich plötzlich sehr alleine. Da stand die Crew und freute sich und ich stand hier und verurteilte sie dafür. Ich fühlte mich schlecht. Ich versuchte mich ein wenig zurück zu ziehen und zu arbeiten, um mich abzulenken.

    Ich wollte mir ein paar Gedanken zum Gespräch machen - zum Problem und den Lösungsoptionen, die wir gewälzt hatten. Aber es war vergeblich. Ich sitze immernoch hier und kann mich nicht konzentrieren, während die Prügelei im Nachbarraum fortfährt. Ich ertappe mich dabei, wie ich eine Abneigung gegen diese Leute empfinde - gegen die Kämpfenden und Zuschauenden gleichermaßen. Das mag ich nicht. Ich will niemanden hier nicht mögen. Schon gar nicht wegen so einer Kleinigkeit. Ich erkenne mich kaum wieder in dieser Reizbarkeit. Ich schätze es ist die Mischung aus Nutzlosigkeitsgefühl weil ich nicht praktisch arbeiten kann, Frustration weil ich keine Lösung für das Problem finde... und der Tatsache, dass es keine Chance gibt sich hier irgendwo zurück zu ziehen. Vielleicht auf die Toilette, aber bei so vielen Leuten die darauf angewiesen sind, würde man dort schnell im Weg sitzen. Das muss die Hölle sein für diejenigen, die noch schlechter damit klar kommen, so aufeinander gepfercht zu sein. Ich werde die Augen offen halten und hoffentlich einigen beistehen können - ohne ihre Privatsphäre erst recht zu sehr zu verletzen. Aber das ist ein Problem für später. Im Moment will ich mich einem anderen annehmen.

    Aber jeder Pfad, den ich gedacht habe, hat mich in eine Sackgasse geführt. Immer wieder drifte ich ab, schaue dem Kampf zu oder... naja... schreibe dieses Log. Ich bin es nicht gewöhnt auf Probleme zu stoßen, die sich nicht lösen lassen - eher auf eine Menge Lösungen zu kommen, welche die Sternenflotten-Bürokratie dann zum Problem machen muss. Ich meine... technisch gesehen gibt es das auch hier: Einfach Vollgas, Sensorenbank an und wir sind in fünf Minuten beim Ziel! Ich versteh nicht ganz, warum diese Geheimhaltung sein muss. Ist es nicht einen diplomatischen Zwischenfall wert, einer Crew in Not zu Hilfe zu eilen? Es wird ja wohl kaum jemand auf uns schießen, nur weil wir unseren Leuten helfen wollen! Und was bedeutet diese ganze Herangehensweise für uns, falls wir Probleme bekommen sollten? Werden sie uns einfach sitzen lassen, dementieren, dass es uns überhaupt gibt? Mit dieser Mission ist einfach etwas falsch. Umso mehr werden wir als Crew zusammenwachsen müssen - denn auf uns gegenseitig können wir zählen!

    Apropos als Crew zusammenwachsen. Es sind immer noch eine Menge Leute da und schauen beim Kampf zu. Geht schon über eine Stunde. Es sind aber genug gegangen, dass ich nun auch von meinem Platz aus halbwegs einen Blick auf das Geschehen habe. Schon irgendwie beeindruckend. Hat was Kunstvolles. Angriff, Verteidigung - Antäuschen, auflaufen lassen. Die Körper, die aufeinander reagieren - ein Schritt, ein Gegenschritt. Ein Schlag, ein Konter. Aktion, Reaktion. Wie ein Tanz, so wie die Körper einander Kraft auffangen, umleiten, umherwirbeln aus eigener oder fremder Ursache. Wie zwei stellare Objekte, die sich umkreisen und immer wieder in der Gravitation des anderen gefangen werden, um kurz und gewaltig aufeinander zu treffen und dann wieder, wie aus einer Mischung von Impetus und Trägheit zurück in einen sicheren Orbit gelangen... moment mal... das ist es! Slingshot!

    Nachtrag
    Ich habe meine Idee eilig berechnet und recherchiert, ob die Karten des Zielgebiets den nötigen Detailgrad vorweisen. Wir müssen an einigen Stellen potenziell improvisieren, aber es ist möglich: Wenn wir uns richtig von unserer Mitfahrgelegenheit abstoßen, können wir die Gravitation insbesondere der größeren Asteroiden im Zielgebiet nutzen, um sowohl weitere Geschwindigkeit aufzunehmen, als auch völlig ohne auffälligen Energieaufwand das Asteroidenfeld sicher zu passieren - und dabei fliegen wir sogar noch eine Art Suchmuster, sodass wir auf dem Weg noch durch die passiven Sensoren eine hohe Chance haben, das vermisste Schiff zu finden!

    Ich war ganz hibbelig, als ich Asu davon erzählt hatte - und ein bisschen ängstlich, ob sie die Idee nicht aufgrund der potenziellen Ungenauigkeit der Karten verwerfen würde. Wegen Sternenflotten-Richtlinien zur Berechnung der statistischen Gefahreneinschätzung oder was weiß ich. Aber nein! Im Gegenteil! Sie hat sogar eine Lösung dafür gefunden - wir können einfach die Manövrierdüsen benutzen, um unseren Kurs anzupassen, falls sich seit der letzten kartografischen Ermittlung dieses Sektors etwas an den Vektoren der Asteroiden geändert haben sollte... wie zum Beispiel durch den Einschlag eines Schiffes... Nein! Positiv bleiben! Endlich was zu tun! Und damit sind wir dann auch viel schneller bei der Pyrrhus und können helfen!

    O'Neal hat sich im Training ganz schön seine Uniform zerfetzt. Aus Dankbarkeit - und weil ich früher oder später sowieso wieder etwas zu tun brauchen werde, sobald wir einen brauchbaren Kurs durchs Feld simuliert haben - habe ich ihm angeboten, dass ich sie für ihn flicken kann. Nadel und Faden war eines der ersten Werkzeuge, das ich in meinen Koffer gepackt habe! Er hat das Angebot angenommen und sich die Fetzen direkt vor meinen Augen ausgezogen. Das war irgendwie lustig - fand auch der Rest der Gaffer in der Nähe. Umso lustiger, als er danach in Unterhose am Kartenspieltisch saß. Ich hab mich also entschieden, dass ich die Kursberechnungen gleichzeitig mit dem Flicken mache - das eine braucht ja vor allem meinen Kopf, das andere fast nur meine Hände - damit er bald wieder was zum Anziehen hat. Nicht, dass es ihn der Mangel an Kleidung zu stören schien... und die andorianische Ärztin - ich habe ihren Namen vergessen - schien das auch absolut nicht zu stören: Süß. Ob daraus wohl was werden kann?

    Oh man... jetzt muss ich wieder an Paola denken. Schade, dass ich ihr keine Nachrichten schreiben kann - oder besser: darf.


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