MCPO Hunter Phillips - SEC/CXO - Log 07 - 2019.8



  • Hauptpersonen: PO1 Garret O'Neal
    Nebenpersonen: Komplette Crew
    Wörter: 1083

    Shuttle

    Wieder eine Nacht in der Koje verbracht. Wie gut dass ich die Salami noch hatte und ich mir die Kampfrationen nur in homöopathischen Dosen verabreichen musste. Das Zeug war mindestens so Ekelhaft, wie Garrets plötzlicher Trainings-Ehrgeiz, der inzwischen schon der kompletten Crew auf die Nerven ging. Ständig suchte er jemanden zum Trainieren um danach nochmal zu trainieren und ... ja erraten: um zu trainieren. Erwähnte ich bereits dass er danach noch jemanden zum Training suchte? Nein? Der Kerl kann ganz nett sein. Ich musste mir irgendwas einfallen lassen. Ihn umzubringen war ja leider gerade keine Option und das innere Spielkind in mir schrie nach Rache für das Generve der letzten Stunden.

    Ich trank gerade mit ein paar Kollegen Kaffee, als er uns wieder ansprach und wir haben alle die Augen verdreht bis uns die Idee kam, ihn zu beschäftigen. Ich musste unweigerlich lachen, als sich die Idee vom simplen Beschäftigen immer weiter entwickelt. Und da sagt noch einmal jemand, Security ist ein Job wo es nicht um Kreativität ging. Unsere Idee war ganz einfach umzusetzen: Man müsste Garret etwas als Vorbereitung auf den Kampf verkaufen. Am Besten als ein Ritual von Spezialeinheiten. Ich musste mir das Lachen schon sehr verkneifen und die kleine Gruppe, die aus Paul, Ben, Travis und mir bestand nicht unnötig in den Mittelpunkt zu rücken. Mein Seesack war das, was die Anderen ohnehin immer mit Handtaschen von Frauen oder ganzen Containerschiffen verglichen. Ich war mir ganz sicher, dass ich etwas Passendes darin hatte, was ich dem guten Jungen als Beschäftigungstherapie verkaufen konnte.

    Als ich durch die Kleinigkeiten stöberte, stopfte ich den Teddy wieder hinein und musste schmunzeln, wie er wieder herauskullerte und die Lösung für unser Problem, unser 42 auf dem Bauch liegen hatte: Meine alten Tarnfarben. Diese Tarnfarben kamen noch aus der Zeit, als unsere Bodentruppen den Ärger mit den Cardassianer hatten und die Tarnschilde nicht ausreichend.... Ich ging wieder zu meiner kleinen Gruppe um unsere Besprechung fortzuführen. Die Leute staunten nicht schlecht, als ich ihnen die Farben unter die Nase hielt und der Plan nahm weiters Gestalt an. Vorbereiten durch 'rituelle Körperbemalung'. Herrlicher Gedanke. Travis warf noch meditatives an der Waffe festhalten ein, sowie ein entsprechendes Knurren beim Hinsetzen. Um die Sache halbwegs glaubwürdig erscheinen zu lassen, mussten ihm unabhängige Leute, also jeder von uns vieren, die gleiche Geschichte auftischen. Und dann war ich es wieder, der den Anfang machen musste. Na gut.

    Ich zog Garret in einem freien Moment in eine der beiden unbesetzten Kojen, die derzeit als Lager dienten. Hier waren wir einigermaßen ungestört und ich konnte meinen Plan beginnen. Ich fragte ihn, ob er wisse, was ich vor der Akademie gemacht habe. Er dachte eine Weile nach und seine Augen blitzten auf. Ich hatte seine Aufmerksamkeit als wäre ich eine Flasche beschlagnahmter Blutwein. "Du weißt, dass uns eine sehr wichtige Mission...?" begann ich zu fragen, während ich ihm immer wieder signalisierte leise zu sein. Gott sei Dank konnte ich mein Lachen durch das Wedeln mit der Hand etwas verbergen - also sprach ich im geheimnisvollen Flüsterton und erzählte ihm von den Propheten Smith und Wesson, den Schutzpatronen der Marines. Er sog jedes Wort auf wie ein Schwamm und es wurde mir schon unheimlich, mit welchem Ernst er dabei war und das Flunkern nicht bemerkte. Er nickte bedacht und verglich meine Geschichte immer wieder mit seinem Kahless von dem er so viel hielt. Da dieser Typ ja auch mal irgendwas mit einem Sturm zu tun hatte waren seine Geschichten für mich auf dem gleichen Niveau.

    Garret so in Gedanken versunken schien schon ein Unheilvolles Anzeichen. Fast genauso unheilvoll als meine Ex immer sagte, sie habe etwas für mich. Ich hockte mich auf den Boden und Garret tat es mir gleich. Jetzt kam der Joker ins Spiel um der Sache Nachdruck und Glaubwürdigkeit zu verleihen: Der Tarnstift von Damals. Ich stellte den Stift zwischen uns auf den Boden und blickte Garret so ernst es mir möglich war an. Er nahm den Stift und drehte ihn in den Händen herum. Durch den damaligen Verbleib im Seesack war das Etikett schon so weit zerstört, dass man wissen musste was es war. Er versuchte etwas zu entziffern und sah mich ratlos an und ich hatte immer mehr mit dem Lachen zu kämpfen. Als ich schon nicht mehr konnte, erstickte ich das Lachen in einem gespielten Husten, bis ich mich wieder im Griff hatte.

    "Nur die, die es würdig waren, dem Gegner direkt entgegenzutreten haben dieses Artefakt besessen", flunkerte ich ihn an und zog die Schutzkappe des Tarnstifts ab und stellte ihn mit gespielter Wichtigkeit zwischen uns auf. "Es ist ein äußerst machtvolles Ritual. Also vergiss nichts!" mahnte ich ihn. Dann nahm ich mir etwas Farbe auf die Finger und zog mit zwei Fingern je eine Linie unter den Augen und rezitierte so theatralisch es mir möglich war den Spruch meines damaligen Ausbildners "Wir sind die Schatten und der Rauch. Wir erheben uns. Wir sind die Geister der Nacht."

    Zugegeben, eine echte Tarnung war bei weitem etwas komplexer und auf den Schiffen komplett sinnlos, weshalb wir das auch nie so durchführten, aber vor Zwanzig Jahren waren die Tarnschilder eben noch nicht so gut und zu leicht zu durchschauen. Aber das musste ja unseren Krieger nicht interessieren. Dann stellte ich Garret den Stift vor die Nase und deutete ihm an, es mir gleich zu tun. Zögerlich griff er nach dem Stift und zog die Linien während er den Spruch meines Ausbildners rezitierte. Als er fertig war, drückte ich die Schutzkappe wieder auf den Stift und demonstrierte ihm Besonnenheit, also das ruhig sitzen und in sich gehen. "Spürst du die Kraft?" fragte ich ihn geheimnisvoll, während ich mich für meinen Teil auf das Kribbeln in meinen Beinen bezog, das durch das Sitzen auf dem Boden immer auftrat, wenn ich mir einen Nerv abdrückte. Lustigerweise schien sich Garret tatsächlich Kräfte einzubilden und fühlte diese. Mit einem feuchten Tuch und etwas Seife entfernten wir die Spuren aus unseren Gesichtern und ich überlies Garret den Stift, damit er in Ruhe dessen Kräfte erforschen konnte. Dann deutete ich Garret an, den Raum zu verlassen, damit es nicht auffiel, dass ich ihn in dieses Geheimnis eingeweiht hatte, mahnte ihn aber auch zum exakten Einhalten der Zeichnung, da sie sonst wirkungslos sei.. Zugegeben, der Grund war natürlich viel banaler und bestand aus der Tatsache, dass ich als er gegangen war, meinen Kopf in ein Kissen drücken konnte und den lange angestauten Lachkrampf endlich herauslassen konnte. Der Junge war schon in Ordnung. Vielleicht etwas Naiv, aber durchaus schwer in Ordnung.


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