PO3 Sel'ae - SEC - Log 4 - 2019.8



  • Hauptpersonen: Garret O'Neil
    Nebenpersonen: Shtaar Zh'athyhliss, Gesamte Crew
    Wörter: 850

    Im Shuttle

    Dieser Gestank... diese Enge... überall Leute... ich halte es nicht mehr aus... ist das ein Test? Wenn ja, dann wird er sein Ziel früher oder später erreichen... aber gleichzeitig qualifiziert er sich auch für Folter. Das ist ein Trost. Wenn ich hieran scheitern sollte, nehme ich juristisch wenigstens das Arschloch mit, das auf diese unmenschliche Idee gekommen ist. Ich weiß nicht, wann ich die Kontrolle endgültig verliere. Ich bin nur noch wütend auf all die Leute, die sich anscheinend nicht im Geringsten darum kümmern, welche olfaktorischen Impressionen sie überall hinterlassen. Die reden und Karten spielen und lachen und jede Ecke dieses verdammten Shuttles zu ihrem persönlichen sozialen Spielplatz machen. Rund um die Uhr. Keine Nachtruhe, nein... nur Schichten. In den Schlafzimmern ist die Lautstärke erträglich... ist man wenigstens halbwegs für sich. Aber nur, wenn man zum Schlafen eingeteilt ist - ansonsten belegt jemand anderes das Zimmer... und wenn ich dann endlich wieder rein darf... bleiben sie auch. Als Geruch. Wie räudige Straßenköter, die an jede Ecke pinkeln, um ihr Revier zu markieren - wie die verdammte Töle meiner Eltern! Jeder muss wissen, dass man hier mal war! Ich bin unendlich froh, dass der Gestank der Leute sich zu einer einzigen widerlichen Wolke vermischt. Würde ich an einem der anderen Crewmitglieder spezifisch den Geruch erkennen können, der in der Matratze meiner Koje hängt, dann ... !

    Ruhig... ruhig... du verlierst die Kontrolle... besinne dich. Du bist Vulkanierin. Erdulde die Makel dieser niederen Lebewesen. Nimm dir die Zeit, darüber hinaus zu wachsen. Du hast sie. Diese Leute nicht. Sie werden es nie lernen. Wie räudige Köter.

    Räudige Köter, wie der Klingone. Ständig am Trainieren, als würde er es mir extra in die Nase reiben wollen. Das Revier markieren. Schlimmer noch: Damit angeben wollen. Ich wünschte mein Blick könnte töten, wenn er mal wieder in seinem debilen Grinsen in meine Richtung schaut - vermutlich um zu prüfen, ob ich ihn bewundere... oder gar mitmachen will. Was glaubt er eigentlich, wer ich bin? Diese anmaßende Oberflächlichkeit, diese hirnlose Tumbheit. Als hätte er im Training vor der Mission nicht schon genug Schaden angerichtet! Und als würde ich mich über ihn nicht schon genug aufregen wollen, gibt's auch noch die Frau, die darauf anscheinend abfährt... verdammte Andorianerin, die ihn in seiner Unart auch noch ermutigt. Und die Commander hat's auch noch getan, als sie mit ihm trainierte. Immerhin wirkte die von ihm nicht beeindruckt. Am Anfang hat es richtig gut getan zu sehen, wie der Bastard ordentlich aufs Maul bekommt. Der Geschmack ist aber schnell bitter geworden, als er sich darüber ernsthaft zu freuen schien... selbst diese kleine Freude muss er mir also verderben? Ich konnte gerade noch fliehen, bevor mich das kombinierte Giftgas von Kämpferinnen und Zuschauerinnen umwarf.

    Ich hasse diese Mission. Ich hasse diese Crew. ich will innere Stärke daraus ziehen, dass es mir egal ist, was mit mir geschieht - und noch egaler was denen geschieht.

    Aber es wurde nicht besser. Als endlich die Zeit kam uns vom Frachter zu trennen, der uns seither getragen hatte, spielte sich der Klingone schon wieder auf. Ich sah, wie er in seiner abergläubischen Rede über irgendwelche martialischen klingonischen Riten, die jeglichen Grundwerten der Föderation widersprachen, immer wieder tröpfchenweise seinen Speichel verteilte und ich schwor mir: Würde auch nur ein Tröpfchen mein Gesicht treffen - ich würde ihn hier und jetzt umbringen. Doch in dem Moment, in dem es tatsächlich geschah, wurde plötzlich alles Schwarz. Mein Kopf schmerzte. Als ich meine Augen öffnete sah ich andere um mich herum liegen... Wyl? Die Schritte, die näher kamen. Schwere Stiefel. Das Lachen. Ich musste still liegen... still... sie durften nicht wissen, dass ich noch...

    ... und plötzlich wurde ich hochgezogen. Ich sah das cardassianische Gesicht klar vor mir. Er lachte, er wusste ich war nicht tot. Und ich wusste, er würde mich töten. In diesem Moment brach mein gesamter Hass aus mir hervor - tötet mich, es ist mir doch egal! Aber glaubt nicht, dass ich es einfach zulasse! Ich schwang meine rechte Faust wild gegen seine Schläfe und bevor die Linke ankommen konnte, hatte er mich bereits fallen gelassen. Ich landete auf einer Kiste, konnte mich halbwegs fangen und war kurz davor wieder anzugreifen, als ich endlich erkannte, wo ich wirklich war. Als meine Verwirrung einsetzte, setzte auch der Kopfschmerz wieder ein. Ich fasste mir an den Hinterkopf und fühlte feuchtes, warmes Blut.

    Irgendetwas musste mich zu Boden gestoßen haben. Und der Klingone hatte mich wieder hochgezogen. Es war ein ungewöhnliches Gefühl. Eine Mischung aus Angst, dass meine Fassade gefallen wäre und Genugtuung. Zwar war er nicht der Cardassianer, den ich mit in den Tod hätte reißen wollen, aber angesichts der Folter, die nicht zuletzt er mir in den letzten Tagen angetan hatte, hatte er diesen Hieb ebenfalls verdient. Er lachte. Schon wieder. Es war nicht das hämische Cardassianer-Lachen... nur das dumpfe Lachen eines räudigen Köters, der offenbar Spaß daran empfand, geschlagen zu werden. Ich fühlte eine ungewöhnlichen Frieden in mir. Genugtuung. Es schien nicht, als würde er diese Angelegenheit nutzen wollen, um meine Fassade öffentlich zu hinterfragen. Vielleicht ist mein Geheimnis sicher...


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