CMD Delila Vatak - CO - Log 08 - 2019.8



  • Hauptpersonen: Misha Nikolaevich Koshkin, Hunter Phillips
    Nebenpersonen: Außenteam, diverse Crewmember (NPC)
    Wörter: 1305

    Im Shuttle

    Persönliches Logbuch, Commander Vatak - Sternzeit 2019.8, 17:43 Erdzeit.

    Die Zeit im Container war nichts, was ich jetzt als eine sehr erfüllende Zeit rechnen konnte. Weder korrekte Chronometer noch ausreichend Energie für viele Systeme - ein ständiger Begleiter. Mein persönlicher Vorteil war der Kaffeeersatz, welcher eine hohe Energiedichte besaß und mir somit Ladungen an diversen Energieleitungen ersparte und Erklärungsbedarf mit der ohnehin schon angespannten Crew senkte. Leider war er aber auch dementsprechend teuer in der Herstellung, da man viel Energie benötigte um ihn überhaupt zu erstellen. Das Gegenstück zu den Kampfrationen der Crew, die gerade nach meiner Rückkehr nach und nach Gespräche mit mir suchten um mir klar zu machen, dass es so nicht weiterging.

    Ich bin dankbar dafür dass es mir jemand mitten ins Gesicht sagte und das Ganze nicht hinter meinem Rücken lief. Aber es war nie die fachliche Kompetenz, die in Frage gestellt wurde - ganz im Gegenteil - die Crew schien von meinen Fähigkeiten, in denen ich vielen natürlich überlegen bin, überzeugt zu sein. Nur wollten sie solche Alleingänge die ich zu ihrem Schutz durchführte nicht so schnell wieder sehen. Ich schloss daraus, dass es eine Aussage war, die ich so zu deuten hatte, dass ich solche Dinge nicht mehr machen sollte. Doch da ich die Verantwortung trage, werde ich mich an den Wortlaut halten, der besagt dass sie es nicht mehr sehen wollen.

    Nachdem ich meine Tasse in der Hand hatte, kam ich zu einem wichtigen Thema: Der Crewman der mich mit der Leine gesichert hatte verdiente für seine Aufmerksamkeit ein Lob. Ich sah ihn an den technischen Konsolen auf der Brücke hantieren, nebst der Cheftechnikerin. Seine Vitalwerte waren stabil, Körpertemperatur und Blutdruck leicht erhöht - Tendenz proportional zu meiner physischen Position. Ich konnte davon ausgehen, dass es sich aufgrund der geringen Beule der Hose nicht um sexuelles Interesse handelte. Positive Emotionen schloss sein sich verändernder Gesichtsausdruck, der sich in der Konsole spiegelte aus. Es war ein gewisses Risiko, mit einem einfachen Crewman so zu handeln, da es auch Autorität in Frage stellen konnte. Ein Erfolg andererseits konnte die emotionale Anspannung des jungen Mannes lindern. Vorsichtig legte ich ihm meine Hand mit genau berechnetem Gewicht auf die Schulter und bedankte mich kurz für das Sichern, hob die Hand kurz an und führte drei leichte Schläge auf den Bereich des Angulus superior, auch bekannt als Angulus medialis aus, um Anerkennung auszudrücken, wie es unter humanoiden Lebensformen durchaus Brauch ist und nahm meinen Platz im Cockpit ein.

    Nach zwei Minuten, 37 Sekunden Stille drehte er sich zu mir um und blickte mich an. Sein Gesichtsausdruck zeigte zu 63,14 Prozent etwas das ich als Unsicherheit deute, nebst einem nicht zu geringen Anteil von 12,94 Prozent Zweifel, bevor er tiefer Luft holte als es zum reinen Atmen nötig war. Seine Frage, ob ich Angst vor Tod oder Verletzung habe konnte ich nicht vorhersehen. Sie traf mich derart unvorbereitet, dass ich erst für 2 Nanosekunden nachdenken musste, was ich am Besten antwortete. Meine Aktion musste den Eindruck erweckt haben, dass ich nicht davor zurückschrecke selbst beschädigt zu werden. Aufgrund meiner Erfahrungen hegten Menschen immer wieder Ängste bezüglich diesem Thema und so war es auch vorhersehbar, dass die Reaktion auf meine Antwort nicht dem Wunsch des Sprechers entsprach. Ich gab zu, dass es mir nichts ausmachte ohne Details zu nennen. Sollte ich versuchen, diese Angst zu emulieren?

    Crewman Misha Nikolaevich Koshkin drehte sich wieder seiner Arbeit zu und führte das Gespräch mit mir fort, da es ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit belastete, dass ich das Wohl der Crew über das Meine stellte. Dabei war es das einfache Grundprinzip des Überlebens. Das Wohl des Einzelnen und das der Vielen. Weitaus komplexer war es, auf die nicht aktivierten Lebenserhaltungssysteme im EVA Anzug einzugehen, zog es jedoch vor das Sichern mit der Leine so darzustellen, dass ich dadurch in Sicherheit war. Als passende Information wies ich ihn darauf hin, dass der menschliche Körper nicht den gesamten Sauerstoff bei jedem Atemzug verbraucht und es mit der Anaerobe Atmung pro Atemzug im Schnitt nur 4 Prozent des Sauerstoffgehaltes tatsächlich in Anspruch genommen werden. Seine Frage, ob nicht jemand anderes die Aufgabe ausführen konnte, war gerechtfertigt. Doch schien er zumindest Verständnis für den Faktor Zeit aufzubringen. Seine Argumente bezüglich meines Aufgabenbereichs und der Fähigkeiten die nicht "Kaffee kochen und Luftfilter wechseln" umfassen, waren zumindest aus seiner Sicht stimmig. Das Gespräch zeigte mir einen Deckungsgrad mit den bisher geführten, doch ergab es mir erweiterte Einblicke in das Gefüge einer Crew und die Unterschiede zur Medizin. In letzterem Bereich wurde ich sogar gebeten, bei komplizierten Eingriffen zu handeln, während man es hier kritisch betrachtete.

    Der von der Technik berechnete Kurs sah für die vorherrschenden Umständen korrekt aus, auch wenn er noch viel Potential für Optimierungen einräumte. Ich gab ihn wortlos frei und ließ die Leute machen. Sollten noch grobe Fehler oder Ereignisse uns im Weg stehen, hatte ich immer noch die Chance einzugreifen. Somit ging ich in meine Erholungssimulation Delta über, eine Sammlung von Routinen die nach außen wirken sollen, als wäre ich zumindest angestrengt gewesen und entspanne mich. Da ich nichts zu tun hatte, ließ diese laufen bis unser Ziel gefunden wurde.

    Der Fund der USS USS Pyrrhus, unserem Ziel sollte eigentlich ein Grund der Freude sein, einen weiteren Meilenstein unserer Mission erreicht zu haben. Doch eine gewisse Stille, die ich als ein Gemisch aus Wut, Verzweiflung sowie Trauer deutete war ein Grund dass es sich nicht um Freude handeln konnte. Das Schiff vor uns hatte eine Position über dem magnetischen Pol eines größeren Asteroiden eingenommen, was einerseits sehr gut dafür geeignet war es versteckt zu halten. Andererseits erschwerte es uns auch die sensorische Untersuchung des Schiffes, die durch die vorherrschenden Interferenzen sogar unmöglich war. Der im Protokoll vorgesehene nächste Schritt war die Entsendung eines Außenteams, welches sich einen Weg in das Schiffsinnere zu bahnen hatte um einen ersten Eindruck zu liefern, sowie potentielle Störquellen zu beseitigen und erste Hilfe zu leisten. Aufgrund der Kapazität des Transporters war es zwar ein entsprechendes, aber dennoch unumgängliches Risiko ein Team dorthin zu schicken. Eine Blick in Richtung des Security-Chefs ließ ihn erkennen, dass es so weit war und er stellte das Team zusammen während ein Techniker am Transporter-Terminal die Kommunikatoren erfasst hielt um im Katastrophenfall eingreifen konnte.

    Nachdem das Außenteam unterwegs war, war meine Anwesenheit auf der Brücke nicht mehr von Nöten und ich begab mich in eine freie Koje und räumte mich somit auf, damit mehr Platz vorhanden war. Die Verbindung zum Bordcomputer war stabil und ich konnte das Verhalten der Crew nochmals durchsehen, während einige Leute noch etwas über meinen "Schlafzyklus" sprachen.

    Koje

    Waren Offiziere mehr wert als einfache Leute an Deck?

    Quantitativ waren gut ausgebildete Offiziere durchaus in der Unterzahl und viele Aufgaben werden durch Spezialisten und angelerntes Personal erledigt. Doch was machte dessen Leben weniger wert als das eines Offizieres? Diese Ansicht stand im totalen Gegensatz zum Hippokratischen Eid, der meine Aufgabe als Medizinerin definierte und implizierte, dass jedes Leben gleich wertvoll ist.

    Warum sollte meine Existenz über dem Rest der Crew stehen?

    Wenn ich der Argumentation der Crew folgte, so besagt diese, dass ich Informationen über die Mission besaß, die sie nicht hatten. War somit ein Führungsoffizier in deren Augen mehr wert als ein einfacher Crewman? War jemand, der viel gelernt hatte aufgrund seines Wissens wertvoller als jemand der weiß wo er nachzuschlagen hat?

    Weitere vorgebrachte Argumente bezogen sich auf Führung und Fähigkeiten, die für mich noch abstruser wirkten, da sie für mich jeglicher Logik entbehrten.

    Aus reiner Flottensicht war es natürlich von Vorteil, wenn sich ein Verlust auf eine leicht zu ersetzende Person fiel und man das Leben auf Ersatzteile reduzierte. Doch das Leben mit einem Isolinearen Chip gleichzusetzen, den man bei Fehlleistungen ersetzen konnte, war gegen alles was ich als Medizinerin verkörperte. Rein fachlich gesehen hatte ein Arzt natürlich einen gewissen Nutzen für die Allgemeinheit, weshalb dessen Ausfall mit gewissen Nachteilen verbunden ist...


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